Plötzlich alleinerziehend

An der Hand meinen 2 jährigen Sohn, im Herz das innere Kind bin ich ausgezogen. Von einer hübsch ausgebauten Wohnung im Mehrgenerationenhaus mit Oma und Opa in eine 56qm Erdgeschosswohnung im Viertel für “ sozial Schwächere“ . Kalte Fliesen statt warmer Teppich, eine Schlafcouch statt eines Bettes, ein kleiner Fleck Balkon statt eines Garten und ein monatliches Budget, das keinen Luxus erlauben würde. Aber mit der Liebe einer Mutter im Herz, dem Wunsch nach Entfaltung und persönlicher Freiheit. Lieber allein als ungeliebt, lieber einsam als sich zu verbiegen.

Hatte ich Angst? Ja. Weinte ich oft? Ja. Und es war auch eine verdammt schwere Zeit. Ich hatte noch offene Schulden und musste mich weiter verschulden um die Kaution zahlen zu können und zumindest die Schlafcouch. Mein Sohn sollte sein eigenes Zimmer haben. So klappte ich jeden Abend die Couch aus und tagsüber schob ich sie wieder zusammen. Von Glück war ich weit entfernt. Das Geld aus meiner Ausbildung die bereits begonnen hatte, konnte natürlich nicht reichen. Oft bin ich mit Kleingeld in den Supermarkt gegangen, habe im Kopf schon mit gerechnet um mich an der Kasse nicht zu blamieren. Aß Haferflocken mit Wasser damit die Milch für meinen Sohn reichte.

Fatal war, dass ich mir kaum Hilfe holte und so gut wie möglich die Situation versuchte zu vertuschen. Hilfe annehmen, um Hilfe fragen, das hatte ich nie gelernt. Zu groß war immer meine Angst vor Ablehnung( inneres Kind). Früher als Kind hatte ich immer meine kleine Schwester vor geschickt wenn es darum ging, unsere Eltern um Erlaubnis zu bitten.

Ich hatte so große Angst, dass meine miese Lebenssituation auffallen könnte, dass ich nach Außen versuchte ein Bild aufrecht zu erhalten. Das war zum einen anstrengend und kostete mich zum anderen Geld- Kleider machen Leute oder ? Außerdem kann man in Versandhäusern Zahlpausen und Ratenzahlung vereinbaren- wie praktisch wenn man ein kurzes Glücksgefühl braucht.

Wohin das führte, kann man sich ausmalen. Inkasso- Behörden sind nicht zimperlich.Ich musste mich der Realität stellen und ehrlich zu mir selbst sein. Ich konnte das nicht allein schaffen- Ausbildung, Kindererziehung, Alltag…. Und Yannick, mein Sohn spürte den Mangel auch mehr und mehr. Er war schon immer sehr sensibel und konnte Schwingungen gut wahrnehmen.

Also, Hilfe annehmen und auf den Lebens“ Reset“- Knopf drücken. Wieder Mal.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits meinen heutigen Mann kennen gelernt. Ich glaube nicht, dass er auf meine Scheinwelt rein gefallen ist, denn schnell hat er ein ordentliches Bett für Yannick besorgt und schnell stand fest, dass er nicht wollte, dass wir beide länger so leben sollten. Benjamin, mein Mann, hat wohl erst mit seiner Mutter gesprochen- er war sich nicht sicher, ob er mit gerade mal 25 Jahren eine Frau mit Kind annehmen konnte oder ob die Herausforderung zu groß wäre.

Nun, er nahm die Herausforderung an. So öffnete sich eine neue Tür. Ein neues Kapitel in meinem Leben. Es stand der nächste Umzug an. Wie der Kreis des Lebens sich aber immer wieder schließt, wie am Ende alles einen Sinn ergibt, dazu später mehr.

 

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